„Bad Boyfriends – deutsche Version“ ist keine Dating-Show, sondern eine mehrteilige Feldstudie darüber, wie lange Frauen es mit selbst ernannten „Bad Boys“ aushalten, bevor ihnen endgültig der Geduldsfaden reißt. Die Mädels bringen ihre eigenen Partner mit, weil diese sich aufführen wie unreife Möchtegern-Machos – und schon nach wenigen Minuten versteht man bei einigen Kandidaten sehr genau, warum.
Eine Feldstudie über selbst ernannte Bad Boys
Die Jungs marschieren ein, als wären sie unwiderstehliche Alphamänner, gefürchtete Herzensbrecher und das größte Geschenk an die Frauenwelt. Tatsächlich entpuppen sie sich größtenteils als großmäulige Luschen mit überdimensioniertem Ego, erschreckend wenig Selbstreflexion und der emotionalen Reife einer feuchten Packung Toastbrot.
Die Frauen zeigen mehr Mut und Rückgrat
Während die Frauen Klartext reden, Rückgrat zeigen und überhaupt erst versuchen, ihre Beziehungen zu retten, sind die sogenannten „Bad Boys“ hauptsächlich damit beschäftigt, sich selbst für unfassbar cool zu halten. Die Mädels haben mehr Mut, Charakter und sprichwörtliche Eier als diese gesamte Truppe zusammen. Bei den Kerlen gibt es dagegen große Klappen, billige Ausreden und viel Getöse – nur Verantwortung übernimmt kaum einer.
Josua und die weiße Jacke: ein Auftritt zum Fremdschämen
Und dann Josua: Schon der Auftritt in dieser weißen Jacke war ein einziger unfreiwilliger Comedy-Moment. Er kam herein, als würde gleich der Endgegner aller Frauen erscheinen – tatsächlich wirkte es eher wie ein verirrter Animateur auf dem Weg zu einer schlechten Motto-Party. Diese Mischung aus maximaler Selbstüberschätzung, aufgesetzter Coolness und modischem Totalschaden war fast schon beeindruckend. Man möchte wegsehen, schafft es aber nicht, weil die nächste Peinlichkeit garantiert schon Anlauf nimmt.
Das eigentlich Faszinierende an der Sendung ist, wie konsequent sich diese Typen selbst zerlegen. Dafür braucht es keine raffinierten Aufgaben. Man muss nur lange genug eine Kamera auf sie richten, bis hinter der aufgeblasenen „Bad-Boy“-Fassade nichts als Unsicherheit, kindisches Verhalten und Fremdscham hervorkommen.
Respekt ist keine freiwillige Sonderleistung
Und das Bitterste daran: Die Frauen müssen ihren eigenen Partnern offenbar erst in einer Fernsehsendung erklären, dass Respektlosigkeit keine Persönlichkeit, Treue kein großzügiges Entgegenkommen und erwachsenes Verhalten keine unzumutbare Sonderleistung ist. Manche dieser Männer benehmen sich, als hätten sie eine Auszeichnung verdient, sobald sie für fünf Minuten keinen kompletten Blödsinn veranstalten.
Am Ende sind diese „Bad Boyfriends“ weder gefährlich noch geheimnisvoll und schon gar nicht beeindruckend. Sie sind eine Parade austauschbarer Möchtegern-Spinner, die „toxisch“ mit „interessant“ und Rücksichtslosigkeit mit Männlichkeit verwechseln. Die eigentlichen Hauptfiguren sind eindeutig die Frauen, die nicht nur mehr Klasse besitzen, sondern auch noch versuchen müssen, aus ihren laufenden Fehlentscheidungen halbwegs beziehungsfähige Erwachsene zu machen.
Viel Macho-Gehabe, wenig dahinter
Fazit: Als Beziehungsexperiment eine Katastrophe, als Fremdschäm-Marathon kaum zu überbieten. Die Männer halten sich für Bad Boys – dabei sind sie überwiegend nur anstrengende Jungs, deren Freundinnen längst größere Eier haben als sie selbst.

